Offener Brief: Für Therapievielfalt und eine Medizin, die den Menschen als Ganzes sieht
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Zuge der geplanten Reform der gesetzlichen Krankenversicherung wird derzeit erwogen, homöopathische und anthroposophische Leistungen aus dem Erstattungskatalog zu streichen.
Was auf den ersten Blick wie eine rein gesundheitspolitische Maßnahme erscheinen mag, berührt in Wahrheit eine viel grundlegendere Frage:
Welche Medizin wollen wir – und welches Menschenbild liegt ihr zugrunde?
Im Jahr 2024 haben über 195.000 Bürgerinnen und Bürger eine Petition zum Erhalt dieser Leistungen unterstützt. Diese Stimmen stehen nicht nur für eine bestimmte Therapieform. Sie stehen für ein Bedürfnis: gehört zu werden. Ernst genommen zu werden. Mit den eigenen Erfahrungen und Überzeugungen nicht am Rand, sondern im Zentrum gesundheitspolitischer Entscheidungen zu stehen.
Wenn eine solche Rückmeldung der Gesellschaft kaum Berücksichtigung findet, entsteht der Eindruck, dass Vertrauen – eines der wichtigsten Fundamente unseres Gesundheitssystems – an Bedeutung verliert.
Dabei geht es nicht um ein „Entweder-oder“ zwischen Schulmedizin und komplementären Verfahren. Es geht um ein „Sowohl-als-auch“.
Um eine Medizin, die den Menschen nicht auf einzelne Symptome reduziert, sondern ihn in seiner körperlichen, seelischen und individuellen Gesamtheit betrachtet.
Die häufig vorgebrachte Kritik eines Mangels an Evidenz greift dabei zu kurz. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit komplementärmedizinischen Verfahren ist keineswegs abgeschlossen. Leitlinien, systematische Reviews und aktuelle Forschungsansätze zeigen ein differenziertes Bild. Sie machen deutlich: Es gibt offene Fragen – aber auch Hinweise, die eine pauschale Ablehnung nicht rechtfertigen.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen sich nach Orientierung, Selbstwirksamkeit und ganzheitlicher Betreuung sehnen, erscheint es problematisch, solche Ansätze aus der Versorgung zu entfernen, anstatt sie weiter zu erforschen und verantwortungsvoll zu integrieren.
Auch die ökonomische Dimension verdient eine ehrliche Betrachtung. Das diskutierte Einsparpotenzial ist im Verhältnis zu den Gesamtausgaben marginal. Gleichzeitig besteht die reale Möglichkeit, dass durch den Wegfall komplementärer Angebote vermehrt auf kostenintensivere Therapien zurückgegriffen wird.
Noch wichtiger aber ist etwas anderes:
Gesundheit ist mehr als Kostenrechnung.
Eine Medizin, die Therapievielfalt zulässt, stärkt nicht nur die individuelle Wahlfreiheit, sondern auch die Qualität der Versorgung. Sie eröffnet Räume für unterschiedliche Wege der Heilung – und erkennt an, dass Gesundheit kein standardisierter Prozess ist.
Ich wünsche mir eine Gesundheitspolitik, die diese Vielfalt schützt.
Eine Politik, die nicht vorschnell ausschließt, sondern differenziert prüft.
Eine Politik, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt.
Deshalb meine Bitte:
Setzen Sie sich dafür ein, dass Therapievielfalt erhalten bleibt.
Und fördern Sie eine unabhängige, integrative Forschung, die Chancen und Grenzen ganzheitlicher Ansätze transparent beleuchtet.
Denn am Ende geht es nicht nur um einzelne Leistungen im Katalog.
Es geht um Vertrauen.
Um Freiheit.
Und um die Frage, wie wir Gesundheit in unserer Gesellschaft verstehen wollen.
Präsident Mario Hopp
Dischingen, 21.04.2026
Unser Verbandsversammlung findet dieses Jahr im Besucherzentrum „Terra Medica“ von der DHU in Karlsruhe statt. Bitte merken Sie sich diesen Termin schon mal vor.

HAHNEMANNIA zur Diskussion um die Zukunft der Homöopathie in der GKV
Die gesundheitspolitische Diskussion um die Zukunft der Homöopathie hat erneut an Dynamik gewonnen. Die vom Bundesministerium für Gesundheit eingesetzte Finanzkommission hat am 30. März 2026 ihren Bericht vorgelegt, in dem insgesamt 66 Maßnahmen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgeschlagen werden. Hintergrund ist eine erwartete Finanzierungslücke in Milliardenhöhe ab dem Jahr 2027.
Im Rahmen dieser Vorschläge wird auch empfohlen, homöopathische Leistungen aus der GKV zu streichen. Grundlage der Bewertung sind die Kriterien Nutzen, Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit.
Bewertung aus Sicht der HAHNEMANNIA
Aus Sicht der HAHNEMANNIA greift diese Einschätzung zu kurz. Die zugrunde liegende Bewertung basiert maßgeblich auf älteren Analysen, während neuere Studien und systematische Reviews bislang nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Wirtschaftlichkeit und Kosten
Homöopathie ist in Deutschland eine freiwillige Satzungsleistung einzelner Krankenkassen und verursacht lediglich einen sehr geringen Anteil der Gesamtausgaben der GKV – Schätzungen zufolge etwa 0,03 %. Vor diesem Hintergrund erscheint der tatsächliche Spareffekt einer Streichung fraglich. Vielmehr weisen Analysen darauf hin, dass Kosten in andere Bereiche der Versorgung verlagert werden könnten.
Bedeutung für die Versorgung
Versorgungsforschungsstudien zeigen, dass homöopathische Behandlungen dazu beitragen können, den Einsatz konventioneller Medikamente zu reduzieren und Nebenwirkungen zu vermeiden. Insbesondere bei chronischen Erkrankungen berichten Patientinnen und Patienten von positiven Effekten, insbesondere dort, wo konventionelle Therapien an ihre Grenzen stoßen. Diese Aspekte sind für die Bewertung der Versorgungsqualität von zentraler Bedeutung.
Fazit
Aus Sicht der HAHNEMANNIA ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Eine fundierte Bewertung sollte die gesamte Studienlage berücksichtigen, die Versorgungspraxis einbeziehen und Wirtschaftlichkeit im Kontext des gesamten Gesundheitssystems bewerten. Homöopathie ist Teil einer integrativen Medizin und sollte auch künftig ihren Platz im Gesundheitssystem behalten.
Engagement der HAHNEMANNIA
Die HAHNEMANNIA wird sich weiterhin mit Nachdruck und klarer Haltung in die gesundheitspolitische Diskussion einbringen und sich entschieden für eine differenzierte, evidenzbasierte und patientenorientierte Bewertung komplementärmedizinischer Verfahren einsetzen. Die aktuellen Entwicklungen werden aufmerksam verfolgt, begleitet von einem kontinuierlichen Austausch mit relevanten Akteuren auf politischer und fachlicher Ebene.
Wie bereits in der Vergangenheit wird die HAHNEMANNIA ihre Positionen aktiv und deutlich vertreten – durch Stellungnahmen, Gespräche und öffentliches Engagement. Sollte es erforderlich sein, wird sie konsequent handeln und sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass Homöopathie und integrative Medizin ihren berechtigten Platz im Gesundheitssystem behalten.
Happy Birthday HAHNEMANNIA
150-jährige Jubiläumsfeier in Stuttgart
Am 20. Oktober 2018 wurde das 150-jährige Jubiläum des Deutschen Verbandes für Homöopathie und Lebenspflege in Stuttgart gefeiert. Den Festvortrag „Homöopathische Vereine: Große Vergangenheit – welche Zukunft?“ hielt Prof. Martin Dinges, stellvertretender Institutsleiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, und nahm die rund 150 Jubiläumsgäste mit auf eine Zeitreise.
Ein weiteres Highlight der Jubiläumsfeier war das Schauspiel „Hahnemann und Glockenbring“, gespielt von Andreas Jung in Begleitung des Dresdner Geigers Florian Mayer. Der Fall Klockenbring behandelt die erste prominente Heilung Hahnemanns nach dem Ähnlichkeitsprinzip similia similibus curentur.
Sinn und Zweck der HAHNEMANNIA war die Verbreitung und Verteidigung der Homöopathie. An den Aufgaben hat sich bis heute wenig geändert: Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung über die Homöopathie.
Mario Hopp, Präsident der HAHNEMANNIA, sagte auf der Festveranstaltung in Stuttgart, dass er vor allem die Vernetzung der an der Homöopathie interessierten Bürgerinnen und Bürger weiter entwickeln möchte. Das scheint gut zu gelingen, an der Feierlichkeit nahmen auch Vertreter von 8 europäischen Patientenverbänden teil, die an diesem Wochenende in Stuttgart ihre jährliche General Assembly abhielten. Die HAHNEMANNIA war Ausrichter für diese GA in diesem Jahr.
Denn sie gehören alle dem „European Federation of Homeopathic Patients Associations“, kurz EFPHA, dem Dachverband aller europäischen Patientenverbänden an. Zudem waren Vertreter von deutschen homöopathischen Verbänden und aus der Wirtschaft der Einladung zum Festtag gefolgt.
Auch die Bundesregierung gratulierte der HAHNEMANNIA.
Zum 150-jährigen Jubiläum gab es prominente Gratulantinnen und Gratulanten. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Ralf Brauksiepe (MdB) dankte in seinem Grußwort den Mitgliedern der Hahnemannia für ihr Engagement: „Die vielfältigen Seminare und Vorträge über Homöopathie und gesunde Lebensführung dienen der Information und tragen so zu einer höheren Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bei.“ Brauksiepe setzte sich in seinem Grußwort auch für die freie Arztwahl und die Therapiefreiheit der Ärzte ein.
Stefan Teufel, gesundheitspolitischer Sprecher der baden-württembergischen CDU-Landtagsfraktion, bekräftigte in seinem Grußwort an die HAHNEMANNIA den hohen Stellenwert der Homöopathie und der Naturheilkunde, sie sind „aus unserer Sicht ein fester Bestandteil der Gesundheitsleistungen und neben der Schulmedizin nicht mehr wegzudenken.“ Er verweist auf den aktuellen Koalitionsvertrag von CDU und Grüne, in dem das Ziel formuliert wurde, die Komplementärmedizin langfristig in die Regelversorgung zu integrieren und in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen.
Die HAHNEMANNIA, Deutscher Verband für Homöopathie und Lebenspflege, ist einer der ältesten Patientenvereine Deutschlands. Sie hat als Dachverband 38 Mitgliedsvereine mit rund 4.000 Mitgliedern vor allem in Baden-Württemberg. Die Vereine bieten Seminare und Vorträge über Homöopathie und eine gesunde Lebensführung an, auch in Kooperation mit Volkshochschulen, und tragen so zu einer höheren Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bei. Ein wichtiger Aspekt ist das soziale Miteinander in den Vereinen und damit auch in den Ortschaften. Die Vereine werden in den meisten Fällen von den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern unterstützt, sodass die Veranstaltungen beispielsweise im Gemeindesaal stattfinden können.


